Mera Luna 2009

Es ist Sommer. Oder sowas ähnliches.

Sommer heißt eigentlich auch Festivalzeit. Damals, als man noch jung, der Bauch noch nicht so außer Form und die diversen Alterswehwehchen noch nicht so ausgeprägt waren zwei bis dreimal pro Jahr. Mit dem Zelt. Und mit einem nicht unerheblichen Teil der schwarzen Bekanntenkreis-Horde.

2009 reicht es gerade mal für ein Festival. Ist aber auch OK angesichts der sonstigen Projekte, ist halt ein Kreuz mit dem ollen 24 Stunden Tag. Ein weiterer Unterschied zu früher ist der Aufmarsch in kleiner Runde, weitgehend ohne Horde. Das eigene süße Wild-Katzilla ist mit von der Partie und auch der festivalerprobte Gärtnersbursche mit Freundin Fräulein A. konnte wieder aus der Versenkung des Alltags ausgegraben werden. Das Festival konnte beginnen …

Mathematik ist schon komplex ...

[Warum man in Mathe eben doch besser aufpassen sollte …]

Richtige Überraschungen gibt es im mittlerweile elften oder zwölften Jahr des sommerlichen Besuches in Hildesheim kaum noch. Die Organisation ist gewohnt gut, das Line-Up noch durchwachsener als sonst und die Besucherhorden … nun ja. Man sagt mir ja gerne nach, dass ich schon immer sauber erzkonservative Sichtweisen gehabt hätte und dies mit den Jahren nicht unbedingt besser geworden wäre. Womöglich stimmt das sogar. Aber was da dieses Jahr munter posierte und flanierte, hatte mit der Schwarzen Szene in meinem Verständnis bestenfalls noch zufällig etwas zu tun.

Bunte Plastik-Dread-Locks, Nietenhalsband, Schweißerbrille, Uniform von der Stange, dazu Mundschutz, Engelsflügelchen auf dem Rücken und Plateauschuhe als gelte es, das nächste Oder-Hochwasser trockenen Fußes zu überstehen. Ein Weihnachtsbaum ist nichts gegen den gesammelten Plunder, mit dem sich ein bedeutender Teil der Leute gemäß dem Motto „Viel hilft viel“ mittlerweile scheinbar wahllos behängt. Das andere Extrem der viel zu knappen oder schlicht nicht vorhandenen Bekleidung gibt es natürlich auch noch. Und auch hier sind es naturgemäß vor allem solche Gestalten, bei denen man die Götter gnädig um ein wenig verhüllenden Stoff anflehen möchte. Da wirkt der bei 28 Grad im Vollkörper-Plüschhasenkostum herumhoppelnde Zeitgenosse schon fast wieder erfrischend bodenständig und sympathisch. Aber vielleicht ist das einfach der Stand der Szene anno 2009 und unsereins hat die Zeitenwende gemütlich mit etwas Gerstenkaltschale und guten Gesprächen in einem toten Seitenarm im Strom der Weiterentwicklung verschlafen.

Ashbury Heights waren auch dieses Mal gut, auch wenn die neue Dame am Mikro bislang einfach nicht an die Originalsängerin Yaz herankommt. Daumen drücken, dass das noch wird! Tiamat (Zum ersten Mal live gesehen! Kreuz mach!) machen Freude, ebenso wie die Apokalyptischen Reiter und Faderhead, der zu früher Stunde den Hangar zum Beben bringt wie einst Hocico. Der Rest ist zum großen Teil nett bis Durchschnitt (Veljanov, Prodigy) und in einigen Teilen auch Schweigen.

Ob es einen Besuch auf dem Mera Luna 2010 geben wird? Mal sehen was sie sonst so auffahren & was die Alternativen sind. So ein kleines, feines Festival im Geiste der still und leise verschiedenen Herbstnächte vielleicht …

This entry was posted on Sonntag, August 23rd, 2009 at 23:21 and is filed under Neues von der Horde. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can skip to the end and leave a response. Pinging is currently not allowed.

Leave a Reply