Wider besseres Wissen …

Sonntag Abend. Ein relativ anstrengendes und vollgepacktes WoEn liegt hinter einem und eigentlich ruft der verliebene Abend nach einem Gläschen Wein mit der Holden auf dem Sofa & dazu ein gutes Buch oder wahlweise diese schöne alte Momo-Verfilmung, an die man aus der Jugend schöne Erinnerungen hat und die seit gut zwei Monaten im DVD Regal liegt.

Stattdessen macht man unvorsichtigerweise kurz den Fernseher an und wird – so sind Rollenspieler und Fantasy-Fans nun mal so gestrickt – sogleich in den Bann gezogen von einer kleinen, feinen Kampfszene, in welcher unfähige Römer unterstützt von offenkundig ganz furchtbar tollen, undefinierbaren Helden gegen blau angemalte Waldmännchen kämpfen (und natürlich gewinnen, sonst wäre es ja auch sehr kurzer Film). Neugierig geworden wird doch gleich mal nachgeschaut was hier denn gerade präsentiert wird und was liest man da? „King Arthur“.

An dieser Stelle hat das für latent gespeicherte Filmkritiken und cineastischen Geschmack zuständige Gehirnareal natürlich schon gleich panisch Alarm geschlagen. Aber nachdem dieser Artikel mit dem Titel „Wider besseres Wissen …“ überschrieben ist und nicht mit „Wie ich dem bewegten Unsinn gerade noch von der Schippe sprang…“ wird der geneigte Leser gewiss bereits ahnen, dass der Protest umsonst war.

Was soll ich sagen? An dem Film stimmt NICHTS (außer der coolen Synchronstimme des alten Sachsenhäuptlings). Tonnenschwere Tore öffnen und schließen sich da plötzlich ohne die massiven Pferdegespanne, die noch zu Beginn „Achtung! Mächtiges Tor!“ suggerieren sollen, die Waldmänner (die eigentlich plündernde schottische Picten sind aber hier mal bei den Guten mitspielen dürfen) haben auf einmal von irgendwoher nette Trebuchten aus dem Hut gezaubert, die Darstellung der christlichen Kirche in diesem Zeitalter bringt einen bestenfalls zum Lachen & von Taktik hat in dem ganzen Film kein einziger Mensch irgendwas gehört.

Zugegeben, ich mag vom Herrn der Ringe verdorben sein was gut gemachte Schlachten angeht, aber das hatte seinerzeit schon Braveheart um Welten besser drauf. Irgendwo brennt aus irgendwelchen Gründen die Wiese (klingt bekannt?) während sich Heerscharen von Feinden von sieben (!) Reitern und ein paar Bogenschützen erlegen lassen, ohne auch nur einen Hieb zu treffen (Jaja, ich weiß. Der Rauch der paar Feuerchen …  *gähn*) . Die Sachsen halten vorstürmen und sich verdreschen lassen für die erfolgreichste aller Taktiken und auch die Picten zeigen sich als Brüder im Geiste und finden aus dem Wald schießen (wo kam der her?) um Welten besser als diese tolle große Mauer (Hadrianswall) zu bemannen und die Sachsen von dort oben mit Pfeilen zu spicken. Aber dann hätte man ja keine tolle offene Feldschlacht mit bereits vorab vorhersehbaren Einzelduellen haben können, und die braucht so ein Highlight der Filmkunst als Höhepunkt ja unbedingt …

Quintessenz: Finger weg, das war so gar nix. Meister G. wird sagen, das war ihm eh klar. Von daher werde ich wohl mal Meister Pet fragen, ob die anderen Filme des Regisseurs auch so bodenlos schlecht sind. Wäre mal wieder ein heißer Kandidat für die schwarze Liste …

This entry was posted on Montag, August 25th, 2008 at 16:31 and is filed under Neues aus der Gruft. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can skip to the end and leave a response. Pinging is currently not allowed.

5 Responses to “Wider besseres Wissen …”

  1. Arthurknecht Says:

    Hiho, als fleissiger Blog-Leser kann ich dir auch gleich antworten: Ich kenn von Fuqua nur „King Arthur“, kann dir also nix über seine anderen Filme sagen (und an meiner Meinung kannst du dich sowieso nicht orientieren, weil der Directors Cut von ‚Arthur‘ ziemlich oben im Regal steht und ich ihn wohl schon vier mal gesehen habe! Dabei kommt mir zu gute, dass ich weder von Taktik, noch von Historie was verstehe, sondern einfach nur die Schauspielerleistungen (Skarsgard! Owen! Mikkelsen! Was will man mehr?) , die Kamerarbeit, die Musik und die dreckige Stimmung so cool finde. Vermutlich war auch im TV einiges vom Blood & Gore draussen.
    gruz
    pet

  2. Elleth Says:

    Ich machs kurz Ja der Film suckt *g* Der steht bei mir ganz oben auf der Liste der beschissenen Filme.

  3. Arthurknecht Says:

    Mensch Kinners: Slawomir Idziak! Der beste (aktive) Kameramann der Welt!! Vielleicht sind nur eure Glotzen kaputt. Die Bilder sind einfach herrlich…

  4. Jörgerix Says:

    Nur schöne Shots von den pfauenartig geschmückten Streitern auf dem Hügel vor der untergehenden Sonne reichen nicht, wenn die Handlung hanebüchen, die interne Logik Flickwerk und der Spannungsbogen zehn Meilen gegen den Wind vorhersehbar ist.

    Gut, mit etwas weniger Zensur und etwas mehr Schmackes mag er noch einige Gnadenpunkte machen, aber so per se ist der Film in meinen Augen def. NIX!

  5. Arthurknecht Says:

    Ok, ich geb’s ja fast auf. Glaub‘ da haben die Rollenspieler- und die Cineasten-Fraktion völlig andere Blickwinkel. Gebe ja zu, dass die Story nicht sehr spektakulär ist, aber die Charaktere und die Motive (Kriegsmüdigkeit, entführte Söhne, Heimweh (sowohl nach Orten als auch nach Idealen) sind doch sehr schön umgesetzt.Und so viele schöne Momente – der Abschied in der Steppe, die Schlacht auf dem See in gleißendem Weiss, das Finale mit dem Schwert im Stein… naja egal. So hat halt jeder seins..

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