Sie stapfen gerade durch die staubigen Katakomben des folgenden Achivs: Alamir’ai’Khan – Gedanken eines Untoten weblog archives for August, 2008.

25 August 2008

Neue Sünden braucht das Land!

Und wenn wir im letzten Beitrag schon am Rande das schöne und allzeit spannende Thema „Kirche“ hatten, wollen wir in diesem Feld doch gleich weitermachen.

Denn es ist ja schon ein Graus mit dieser Aufklärung & auch wenn wir aktuell gesamtgesellschaftlich intellektuell schon wieder sauber auf dem absteigenden Ast zu sein scheinen, so ist gegenwärtig die Angst vor dem Fegefeuer und der ewigen Verdammnis dennoch nicht mehr, was sie mal war.

YouTube Preview Image

Die katholische Kirche wirkte zunächst eher hilflos. Da wurde selbst die von vielen lieb gewonnene Vorhölle mit einem flinken Federstrich wegrationalisiert und viele Fantastilliarden an Aushilfs-Teufeln über Nacht ihrer Daseinsberechtigung beraubt. Doch jetzt legt die katholische Kirche nach und kommt steil aus der Sonne, denn:

 NEUE SÜNDEN BRAUCHT DAS LAND!

… und die werden dann von der Kirche auch prompt geliefert. Das nennen wir doch mal eine zielgruppenkonforme Erweiterung des katholischen Glaubens. Mehr Punkte zum schlecht und schuldig fühlen … die Reise geht weiter! 😉

P.S.: A propos Hölle: falls irgendwer meine Lieblingsantwort auf die Frage nach dem endo- oder exothermen Charakter der Höllenicht kennt, der findet diese HIER.

25 August 2008

Wider besseres Wissen …

Sonntag Abend. Ein relativ anstrengendes und vollgepacktes WoEn liegt hinter einem und eigentlich ruft der verliebene Abend nach einem Gläschen Wein mit der Holden auf dem Sofa & dazu ein gutes Buch oder wahlweise diese schöne alte Momo-Verfilmung, an die man aus der Jugend schöne Erinnerungen hat und die seit gut zwei Monaten im DVD Regal liegt.

Stattdessen macht man unvorsichtigerweise kurz den Fernseher an und wird – so sind Rollenspieler und Fantasy-Fans nun mal so gestrickt – sogleich in den Bann gezogen von einer kleinen, feinen Kampfszene, in welcher unfähige Römer unterstützt von offenkundig ganz furchtbar tollen, undefinierbaren Helden gegen blau angemalte Waldmännchen kämpfen (und natürlich gewinnen, sonst wäre es ja auch sehr kurzer Film). Neugierig geworden wird doch gleich mal nachgeschaut was hier denn gerade präsentiert wird und was liest man da? „King Arthur“.

An dieser Stelle hat das für latent gespeicherte Filmkritiken und cineastischen Geschmack zuständige Gehirnareal natürlich schon gleich panisch Alarm geschlagen. Aber nachdem dieser Artikel mit dem Titel „Wider besseres Wissen …“ überschrieben ist und nicht mit „Wie ich dem bewegten Unsinn gerade noch von der Schippe sprang…“ wird der geneigte Leser gewiss bereits ahnen, dass der Protest umsonst war.

Was soll ich sagen? An dem Film stimmt NICHTS (außer der coolen Synchronstimme des alten Sachsenhäuptlings). Tonnenschwere Tore öffnen und schließen sich da plötzlich ohne die massiven Pferdegespanne, die noch zu Beginn „Achtung! Mächtiges Tor!“ suggerieren sollen, die Waldmänner (die eigentlich plündernde schottische Picten sind aber hier mal bei den Guten mitspielen dürfen) haben auf einmal von irgendwoher nette Trebuchten aus dem Hut gezaubert, die Darstellung der christlichen Kirche in diesem Zeitalter bringt einen bestenfalls zum Lachen & von Taktik hat in dem ganzen Film kein einziger Mensch irgendwas gehört.

Zugegeben, ich mag vom Herrn der Ringe verdorben sein was gut gemachte Schlachten angeht, aber das hatte seinerzeit schon Braveheart um Welten besser drauf. Irgendwo brennt aus irgendwelchen Gründen die Wiese (klingt bekannt?) während sich Heerscharen von Feinden von sieben (!) Reitern und ein paar Bogenschützen erlegen lassen, ohne auch nur einen Hieb zu treffen (Jaja, ich weiß. Der Rauch der paar Feuerchen …  *gähn*) . Die Sachsen halten vorstürmen und sich verdreschen lassen für die erfolgreichste aller Taktiken und auch die Picten zeigen sich als Brüder im Geiste und finden aus dem Wald schießen (wo kam der her?) um Welten besser als diese tolle große Mauer (Hadrianswall) zu bemannen und die Sachsen von dort oben mit Pfeilen zu spicken. Aber dann hätte man ja keine tolle offene Feldschlacht mit bereits vorab vorhersehbaren Einzelduellen haben können, und die braucht so ein Highlight der Filmkunst als Höhepunkt ja unbedingt …

Quintessenz: Finger weg, das war so gar nix. Meister G. wird sagen, das war ihm eh klar. Von daher werde ich wohl mal Meister Pet fragen, ob die anderen Filme des Regisseurs auch so bodenlos schlecht sind. Wäre mal wieder ein heißer Kandidat für die schwarze Liste …

20 August 2008

Attack of the Voodoo Glow Skulls

Als waschechter Schwarzkittel hat man ja eigentlich eine klare Vorstellung bezüglich der Trennung von Gut & Böse, Freund & Feind, Schwarz & Weiß.

Ab und an kommt dieses Wertegerüst dann aber doch ins Wanken, wenn eine der besseren Aussagen von Erich Kästner („Man kann auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen.“) befolgt und ein mutiger Blick über den Tellerrand gewagt wird.

So finde ich mich nach einem wie stets hervorragenden Abendessen bei dem wohl besten Nürnberger Dönerladen unversehens mit dem GAD inmitten des ersten Ska-Core Konzerts meines nicht mehr ganz so jungen Daseins wieder. Die Voodoo Glow Skulls rocken das K4 … und machen dabei richtig Alarm!

VoodooGlowSkulls im K4

Zugegeben, ich habe an dem gesamten Abend mit Ausnahme des Refrains „Fuck you, Mr. Bossman!“ kein einziges Wort der Texte verstanden & auch in den freundschaftlichen aber eben doch durchaus derben Pogo-Pit habe ich mich in vornehmer, gotischer Zurückhaltung nicht hineingeworfen … aber ansonsten ließ sich dieser Streifzug abseits der metallisch-gotischen Gefilde mit überraschend viel Spaß an. Neben den üblichen Verdächtigen in Sachen Instrumente griffen hier zusätzlich Trompete und Saxophon in das Geschehen ein und unterlegten den ansonsten wohl doch etwas knüppeligen Sound mit einem angenehmen Groove, der sofort das Mitwipp-Zentrum aktivierte.

An dieser Stelle ein Dank an den GAD für den Hinweis auf den Gig und das grandiose Photo. Vielleicht sollte man derartige Streifzüge durch die musikalische terra incognita (There might be dragons!) wirklich regelmäßiger unternehmen …

19 August 2008

Mera Luna 2008

Manchmal kommt man sich alt vor.

Nun birgt dieses Gefühl ja mit jedem ins Land ziehende Jahr etwas mehr Wahrheit in sich, aber dennoch vermag es einen immer wieder unverhofft von hinten in die Kniekehlen zu grätschen. So wie auf dem aktuellen Mera Luna in Hildesheim, wo ich staunend am Frühstückstisch vor dem Zelt saß und zusah, wie sich mehrere meiner Geschlechtsgenossen nicht etwa mit Bier überschütteten sondern sich stundenlang schminkten, über den besten Eyeliner und die optimale Wimperntusche debattierten und die Erfolgschancen abwägten, heute von möglichst vielen wildfremden Menschen photographiert zu werden.

Mera Luna 2008

>>> <<<

Was ist nur aus dem guten alten Konzept geworden, sich auf Festivals mit guten Freunden zu treffen die man sonst nie sieht, Bier zu trinken und mehr oder minder spannende Bands anzusehen bis die Füße streiken und man zum gemütlichen abendlichen Palaver übergeht. Zu old-school? Wahrscheinlich.

Schade eigentlich.